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Das Geburtshaus vom Freudkopf

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Ein Fachwerkhaus wird zum Ideengeber.

Die Kurze Straße 28 in der Altstadt von Waiblingen. Hier wurde die Idee zum Freudkopf von „Waiblingen erleben“ geboren. Wir nennen das schöne Fachwerkhaus deshalb liebevoll das „Geburtshaus“ unseres Freudkopfes.

Der „Waiblingen erleben“ Freudkopf ist inzwischen 2 Jahre alt und weit über die Grenzen vom Rems-Murr-Kreis bekannt. Er ist das illustrierte Gegenstück zu den historischen Neidköpfen der Waiblinger Altstadt. Der Freudkopf ist immer fröhlich, geht auf Menschen zu und bringt dabei Sonnenschein mit. Statt einem Beißring trägt unser Freudkopf ein Piercing. Mit seinen neugierigen, großen Augen und seinem neckischen Strahle-Lächeln verbreitet er stets gute Laune.
Dazu inspiriert hat uns genau diese ungeheure Neidkopf-Fratze in der Kurze Straße 28.

 

Vom Neidkopf zum Freudkopf.

 

Die fabelhaften Ungeheuer standen ursprünglich dafür, das Böse aus der Stadt fernzuhalten und wurden im 17. und 18. Jahrhundert gezielt dafür eingesetzt, die Bewohner des Hauses vor Feinden und bösen Dämonen zu schützen – Mit dem sogenannten „bösen“ Blick. Man findet die Neidköpfe an vielen Ecken der Fachwerkhäuser in der Altstadt von Waiblingen. Meist zwischen dem Erdgeschoss und dem 1. Stock. Dieser farbenfrohe Neidkopf mit der gelborangenen Feuermähne hatte es uns ganz besonders angetan. Vielleicht weil er einer Löwenmaske ähnelt? Auch dieser Neidkopf hatte übrigens früher einen metallenen Beißring, was man an den großen Löchern an den Mundwinkeln deutlich erkennen kann.

 

Der klassische Gorgonenkopf an der Ecke Kurze Straße / Zwerchgasse in Waiblingen.

Tür Nummer 28 mit Neidkopf an der Hausfassade – Damals und heute.

 

Türen in Waiblingen

Doch was verbirgt sich hinter dem mächtigen Fachwerkhaus? Aus unserer Reihe „Türen und ihre Geschichte“ stellen wir euch heute die Tür Nummer 28 vor.

Die großen Letter über dem Neidkopf an der Ecke zur Eingangstür verraten bereits, was sich hinter den historischen Toren abgespielt haben muss.
OFFIZIN PHARMAC ist die „öffentliche Apotheke“, die sich mit der Herstellung, Entwicklung, Prüfung und Abgabe von Arzneimitteln beschäftigt. Außerdem ist es der offizielle Titel (Offizin Pharmazie), den man zur Weiterbildung als Fachapotheker erhält. Mit der Inschrift „BECHER“ ist der 1673 eingeheiratete Apotheker Matthias Becher verewigt. Von 1686 bis 1708 war er als Apotheker in der Kurze Straße 28 in Waiblingen tätig.

 

Zeichen der Waiblinger Apotheke des 17. Jahrhunderts.

Blick Richtung Nord/West mit dem 1976 erbauten Marktdreieck.

 

Das Eckhaus zur Zwerchgasse ist in 3 Hausteile aufgeteilt.
1. Der östliche Abschnitt mit dem Giebel zur Kurzen Straße ist ca. 5,5 Meter lang. Das in diesem Bereich sehr dekorativ verzierte mehrstöckige Fachwerk war damals der Wohn- und Geschäftsbereich. Aufwendig verarbeitete Andreaskreuze und die Einarbeitung von sogenannten „Eselsrücken“ lassen auf wohlhabendere Bewohner der damaligen Zeit schließen. Beide Elemente dienten der detailtreuen Gestaltung. Auch die Malereien, die als Füllungen das Fachwerk liebevoll hervorheben. Die „Fruchtbüschel“ sind seitlich am Gebäude zu finden. Eines davon wurde zur historischen Dokumentation kaum restauriert.

2. Etwas später wurden ca. 4,5 Meter angebaut. Vermutlich für Lagerräume, nicht als Erweiterung des Wohnhauses, da sich im Fachwerkgefüge eine einfachere Bauweise erkennen lässt. Dennoch wurde ein verspieltes Spätbarockportal mit Holztür eingebaut.

3. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden weitere ca. 4,5 Meter angebaut. Vermutlich wurde auch dieser Anbau als Lagerraum genutzt, da er keinerlei Fachwerkverzierung aufweist und eine große Torwand mit Holztür-Flügeln besitzt.

 

Das 1980 freigelegte und restaurierte Fachwerk mit Bemalungen von Fruchtbüschelgehängen.

Die unterschiedliche Fachwerkkonstruktion ist deutlich erkennbar.

Spätbarockportal und große Torwand mit alten Holzflügeln.

 

In neuem Glanz erstrahlt

1980 wurde das Fachwerk des Geschäftshauses freigelegt, das Graublau aufgefrischt, die Malereien erneuert. Hiermit ist das Gebäude ein wichtiger Bestandteil der Fachwerkstadt Waiblingen geworden. Frühere „Renovierungen“ lassen sich bei genauerem Hinschauen erkennen. So wurde vermutlich im 19. Jahrhundert die Fensterkonstruktion verändert. Die Kante gegen das Rathaus wurde abgeschrägt und mit kleinen Konsolen und Zeltdächern versehen. Vielleicht um das Gebäude mit Blumenschmuck zu verzieren? Genaueres zu den Fensterveränderungen ist nicht dokumentiert.

Sicher ist aber, dass auch dieses Fachwerkhaus zu einem der beliebten Fotomotive in Waiblingen zählt. Habt auch ihr ein schönes Foto vom Geburtshaus unseres Freudkopfes? Zeigt uns doch auf Facebook oder Instagram euer schönstes Foto von der Kurze Straße 28, indem ihr uns mit #WNerleben markiert. Vielleicht können wir für den Freudkopf ein Fotoalbum erstellen? Wir sind gespannt auf eure Aufnahmen.

>> Für weitere Beiträge aus unserer Reihe „Türen und ihre Geschichte“ schaut mal unter dem Schlagwort #Türen nach, rechts in unserer Sidebar.
>> Details zur Geschichte „Vom Neidkopf zum Freudkopf“ findet ihr hier.

 


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Bedanken möchten wir uns ganz herzlich bei Kurt Christian Ehinger für die textliche Unterstützung in diesem Beitrag. Seine Fachkenntnisse als ehemaliger Fachbereichsleiter im Bereich Hochbau und Gebäudemanagement haben uns sehr geholfen.

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